Algerien/ Algier: Menschenrechtsaktivist bei Demo brutal zusammengeschlagen – zahlreiche Verhaftungen

von Birgit Manzke

Bereits am 22.Juni 2012 wurde – vom Nationalen Ausschusses für die Rechte der Arbeitslosen (CNDDC), via Facebook  zu einer Demonstration in Algier aufgerufen, sie sollte die Kehrseite des gestrigen 50. Jahrestages der Unabhängigkeit Algeriens widerspiegeln. 528 Menschen sagten auf Facebook ihre Teilnahme an der Demo zu, wie viele davon tatsächlich erschienen sind und welches Ausmaß das Ganze nun hatte, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Bereits in den vorangegangenen Wochen beschwerten sich Algerier, über eine millionenschwere staatliche Ausgabe für die libanesische Sängerin Elissa, die zum Freudenfest des algerischen Volkes geladen war. „Das Volk hungert und hat keine Arbeit und man leistet sich diesen Luxus?“- war es immer wieder fassungslos zu hören. Statt Freudentaumel gab es für Menschenrechtler Prügel und Verhaftungen, einer der Demonstranten wurde am Auge schwer verletzt. „Die Polizei wartete auf den Abzug der ausländischen Medien, dann erst wurden sie aktiv “, sagte Tahar Belabes – einer der Sprecher des Nationalen Ausschusses für Arbeitslose, „und auch dann erst begannen die Verhaftungen. Wir waren fast 60 Leute“, fügte er hinzu. Tahar Belabes selbst wurde auch verhaftet und am Nachmittag wieder freigelassen, zwei der Aktivisten seiner Organisation befinden sich derzeit noch in Haft. Zudem hatten sich auch Familienangehörige von Vermissten der Demonstration anschließen wollen, auch sie wurden bereits im Vorfeld verhaftet und später wieder entlassen. Zu viele Menschen sind während des Bürgerkrieges Anfang der 90er verschwunden und auf unerklärliche Weise nie wieder aufgetaucht und bis heute tut sich der Staat schwer damit, ihr Verschwinden aufzuklären. The Gathering Youth Action (RAJ) verurteilte die Verhaftungen von Angehörigen der vermissten Personen und Menschenrechtsaktivisten. „Dies bringt – nach fünfzig Jahren der Unabhängigkeit, in Algerien nicht die völlige Freiheit zum Ausdruck, trotz der Großartigkeit des Krieges der nationalen Befreiung, der die Werte von Frieden, Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit verkörpern sollte“, schrieb der Verband RAJ in einer Erklärung und fordert die sofortige Freilassung politischer Gefangener und ein Stopp der Einschüchterung von Bürgern und Aktivisten.

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