Reisebericht: Marokko/Tanger – eine Reise die sich lohnt

von Birgit Manzke

Selbst in dieser relativ kalten Jahreszeit Januar/Februar (10-15°C) ist Marokko eine Reise wert. Deutsche sind in diesem Land gern gesehene Gäste, was mir bereits – bei meiner Ankunft, ein Polizist während der Passkontrolle widerspiegelte. Mit einem Lächeln, hieß er mich willkommen und wünschte mir einen schönen Aufenthalt. Das war der erste Moment, wo ich mich in Grund und Boden schämte, denn ich dachte an eine Passkontrolle in Düsseldorf – bei meinem vorhergehenden Flug nach Tunesien – ich durfte ohne Kontrolle an einem Wachmann vorbeigehen und mich in Richtung Schalter begeben, während die Dame hinter mir – mit Kopftuch – kontrolliert wurde. So wie meine Begrüßung durch die Polizei von Tanger ausfiel, so verlief auch der gesamte Urlaub – eine Herzlichkeit ohne Gleichen. Ich bevorzuge es bei meinen Reisen immer in Gastfamilien zu gehen, sei denn, dass es sich nicht anders einrichten lässt. Um Land und Leute verstehen zu lernen und um über eventuelle Probleme sprechen zu können, sollte man sich einen tieferen Einblick in das normale Leben der Bevölkerung verschaffen, was durch Hotelbesuche nicht immer möglich ist. Die Lebenshaltungskosten sind in etwa vergleichbar mit Deutschland, allerdings sind die Mieten erschwinglicher. So kostet eine 100 qm Wohnung (Altbau), mitten in der Innenstadt von Tanger, umgerechnet 300 Euro, inklusive aller Nebenkosten – eine Nebenkostenendabrechnung gibt es nicht. Parken muss überall bezahlt werden. Es geht nicht nach Parkzeit, sondern lediglich um den Stellplatz – umgerechnet 1,50 Euro. Anders als in Deutschland, gibt es keine Parkscheinautomaten, sondern Männer – in neongelben Westen, weisen Parkplatzsuchenden ihre Stellplätze zu und helfen beim einparken. Ich war überrascht, wie sauber Tanger ist, selbst in der Altstadt konnte man selten Unrat auf den Gehwegen entdecken. Schaut man sich das gesamte Straßenbild von Tanger an, wird einem schlagartig klar, dass es kaum Unterschiede zu uns in Europa gibt. Damen und Herren durchaus modebewusst und auch nicht mit der Mode um Jahre hinterher, sondern europäischer Standard. Natürlich ist das Straßenbild gemischt, wie sollte es anders sein, denn es ist schließlich ein muslimisches Land. Trotz der derzeitigen Unruhen – in den umliegenden Ländern Tunesien und Algerien, ist davon nichts nach Marokko geschwappt, dort genießt man den normalen Alltag, mit all seinen mehr oder minder schwerwiegenden Problemen. Positiv ist ebenfalls zu bewerten, dass die Straßenhändler dort wenig aufdringlich sind, man könnte fast sagen: Sie lassen Touristen in Ruhe. Besuchern von Tanger möchte ich noch etwas Grundsätzliches empfehlen, es ist verlockend Fotos von der Residenz des Königs zu machen oder zumindest auf Höhe des Anwesens den Wagen kurz zu parken, um auszusteigen und die beste Aussicht auf die Stadt zu genießen: Stopp, nicht langsam fahren, anhalten oder aussteigen – bringt Probleme! Ansonsten haben Touristen mit keinerlei Schwierigkeiten seitens der Ordnungshüter zu rechnen. Was mich etwas überraschte war die Aussage meiner Gastgeber, die mir erzählten, sie bekämen nicht die marokkanische Staatsbürgerschaft – da Syrer, trotzdem sie in Marokko geboren sind und einer durchaus respektablen Arbeit beim freien marokkanischen Fernsehen/Rundfunk nachgehen. Wenn ich diesen Punkt betrachte, muss ich anerkennend sagen, dass man in Deutschland – in Sachen Integration, den Marokkanern doch um Längen voraus zu sein scheint. Natürlich sah ich während meines Aufenthaltes nicht nur eitel Sonnenschein in Marokko, sondern auch Obdachlose und Straßenkinder – zum Teil ohne Schuhe – und das, bei Temperaturen zwischen 10 und 15°C am Tag. Ich wollte nicht nur die schönen Plätze von Tanger sehen und beschloss auf Souvenirs zu verzichten und stattdessen für Obdachlose zu spenden. Ein Freund meiner Gastfamilie hatte zu diesem Thema eine gute Idee, denn er selbst unterhält ein soziales Projekt – er kümmert sich ehrenamtlich um Hilfsbedürftige. Gemeinsam kauften wir jede Menge Lebensmittel und brachten sie an den Stadtrand von Tanger, nur wenige Kilometer hinter dem Tanger Med Port. Was ich dort sah, waren Menschen, die aus Teilen Afrikas südlich der Sahara stammen, Menschen – die auf das Übersetzen nach Europa warteten, die sogenannten Haraga. Dunkelhäutige Männer in zerlumpter Kleidung, die am Rande der Schnellstraße darauf warteten, dass irgendein Auto stoppt und ihnen Lebensmittel zukommen lässt. Es waren wohl – auf einem Abschnitt von ca. 2 km – an die 30 Männer, ständig auf der Hut vor der Polizei, verschwanden sie immer wieder flüchtend ins Unterholz. Tags bettelnd an der Schnellstraße und nachts unterhalb der Berge am Meer, wartend auf eine Nussschale, die sie nach Spanien bringt – ein Trauerspiel, wenn man bedenkt, dass unser Reichtum in Europa, sich auch auf Kosten des schwarzen Kontinents stützt. Das Leuchten in den Augen dieser Männer werde ich wohl nie vergessen, als wir einen ganzen Karton voller Brot, Reis, Mehl, Milch und andere Dinge verteilten. In den verschiedensten Sprachen bedankten sie sich: Spanisch, Englisch, Französisch oder Arabisch…. „Gott beschütze euch“, war an diesem Tag sicherlich nicht nur eine Floskel, sondern vom Herzen gemeinte Dankbarkeit.

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