Ksar El Boukhari/Algerien: Hungerstreik bis zum Tode

von Birgit Manzke

Seit Samstag dem 14.04.2013 wird in Ksar El Boukhari – Verwaltungsbezirk Médéa – gestreikt. Hungerstreik, der letzte Aufschrei einer verzweifelten Bevölkerung. 25 Menschen haben sich entschlossen, auf ihre erbärmlich Situation aufmerksam zu machen, darunter 15 Frauen. Es sind keine Militanten, nein, es sind Hausfrauen, geschiedene Frauen oder einfach mittellose Menschen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren. Sie schlafen auf dem Boden, auf Kartons oder ähnlichen Unterlagen. 3 Hungerstreikende sind bereits in ein Krankenhaus gebracht worden, der Zustand einer Frau ist kritisch. Wie derzeit überall in Algerien, wurden in der vergangenen Woche Listen – für die soziale Wohnraumvergabe, veröffentlicht und wieder spielte Korruption und Vetternwirtschaft eine Rolle – die Ärmsten der Armen hatte man abermals nicht mit Wohnraum bedacht. Algerien tut sich derzeit schwer, unterzeichnete internationale Verträge über Menschenrecht und Würde einzuhalten, einer der Punkte ist: Angemessener Wohnraum im Rahmen des Völkerrechts.

„Wir sind bereit, bis zum Ende zu gehen, um für die Achtung der Würde und unsere Rechte zu sterben,“ waren die eindringlichen Worte von Abdelkader Kherba (Menschenrechtsaktivist und Gewerkschafter bei CNDDC und SNAPAP), im Interview mit „DZ ACTIVISTE“.

Herr Kherba ist einer der Hungerstreikenden und für sein konsequentes Handeln bekannt und schon immer war er bereit, für seine Ideale einen hohen Preis zu zahlen. Immer wieder steckt man ihn ins Gefängnis, wie zuletzt im August 2012, er hatte es gewagt, gegen Wassermangel während des Ramadans zu streiken – auch im Gefängnis machte er Hungerstreik, es waren zur damaligen Zeit ca. 35 Grad. In einem früheren Interview erzählte er mir von den Lebensumständen algerischer Menschenrechtsaktivisten. Nicht nur ihnen macht man das Leben schwer, nein, man tritt sogar an ihre Familien heran – Ehepartner, Eltern, Geschwister, Onkel, Tante vor niemandem macht man halt. Den Aktivisten bleibt oftmals nur die Möglichkeit, sich von der eigenen Familie fernzuhalten, sie schlafen in den Gewerkschaftsgebäuden, Gebäuden ihrer Organisationen oder bei Freunden. 25 Hungerstreikende, in einem kleinen Ort wie Ksar El Boukhari, die bereit sind ihr Leben zu opfern – wird man sie erhören?

hungerstreik in ksar el boukhari

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s