Algerien: Jagd auf Menschenrechtler offiziell eröffnet

von Birgit Manzke

Nur noch wenige Monate bis zur Präsidentschaftswahl in Algerien und schon ist die Hatz auf Menschenrechtler landesweit eröffnet. Wurde noch am 25. September der 24-Jährige Blogger Abdelghani Aloui – aufgrund der Veröffentlichung einer Karikatur über Präsident Abdelaziz Bouteflika und Ministerpräsident Abdelmalek Sellal im sozialen Netzwerk Facebook – verhaftet, so wagt man sich jetzt auch unverblümt an die großen Fische. Man könnte fast sagen, es hat in Algerien Tradition, dass Menschenrechtler und Gewerkschafter der Beteiligung an Terrorismus beschuldigt werden und nichts ist einfacher, als die Medien für die eigenen Zwecke der Denunzierung zu missbrauchen. Die Tageszeitung „El-Mihwar“ hatte kürzlich einen Artikel über Tahar Belabbas – Vorsitzender des Nationalen Komitees für die Rechte der Arbeitslosen (CNDDC) des Verwaltungsbezirkes Ouargla – veröffentlicht, indem er beschuldigt wird, im Untergrund Kontakte zu ehemaligen FIS-Mitgliedern zu knüpfen und in deren Interesse zu handeln.

FIS ist die in Algerien verbotene Islamische Heilsfront, deren Mitglieder sich nun in Splittergruppen zusammengeschlossen haben.

Der Direktor der „El-Mihwar“ – Nadir Bensbaa, veröffentlichte heute eine Erklärung, in der die Bevölkerung und die Behörden über die Existenz eines Plans informiert werden sollen, der die Inbrandsetzung des Pressehauses von Ouargla durch Tahar Belabbas und seine Anhängerschaft – quasi als Vergeltungsschlag – beinhaltet. Anzumerken ist, dass Tahar Belabbas bereits Klage – wegen verleumderischen Hetze, gegen die Verantwortlichen der Zeitschrift „El-Mihwar“ eingereicht hat, er wäre also recht töricht, wenn er im Vorfeld einer Verhandlung ein Pressehaus anzünden ließe. Bensbaa geht in seiner Erklärung noch weiter, er spricht über CNDDC von einer Mafia ähnlichen Verbindung, die das Land destabilisieren will und fordert von den Behörden Schutz für seine Zeitung und deren Redakteure – er beruft sich hierbei auf die „Pressefreiheit“ die es zu schützen gilt.

Zu Tahar Belabbas ist Folgendes zu sagen:

Was zuvor keiner für möglich gehalten hatte gelang Tahar Belabbas. Am 14.März versammelten sich mehrere tausend Menschen auf dem Marktplatz von Ouargla, um friedlich gegen Arbeitslosigkeit und Korruption zu demonstrieren. Der Marktplatz von Ouargla platzte aus allen Nähten, Fotos belegen, dass Menschen auf Dächern saßen oder an Laternenmasten hochkletterten, um Tahar Belabbas sprechen zu sehen – man geht von ca. 10.000 Menschen aus. Auch wenn Tahar Belabbas offiziell für die Region Ouargla zuständig ist, so könnte man ihn doch als den Kopf von CNDDC bezeichnen, der es in nur wenigen Monate geschafft hat, eine große Anhängerschaft hinter sich und seine Organisation zu scharen. Für den 1.Juni organisierte er Demonstrationen, die weit über das Einzugsgebiet Ouargla hinausgingen, diese erstreckten sich vom nordwestlich gelegenem Saida über Djelfa und den östlichen Verwaltungsbezirken Ouargla und El Oued. Tahar Belabbas scheint derzeit der Staatsfeind Nummer 1 zu sein, den es zu stoppen gilt!

tahar belabbas 14.3. Foto vom 14.03.2013: Tahar Belabbas wird von den Menschen gefeiert

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