Präsidentschaftswahl 2014 in Algerien: Welcher Anwärter auf das höchste Amt überzeugt?

ALGERISCHE FLAGGEvon Birgit Manzke

Irgendwie erweckt es derzeit den Eindruck von „gewollte und nicht gekonnt“, wenn man verfolgt wie die Präsidentschaftskandidaten ihre potentiellen Wähler zu überzeugen versuchen. Es sind nur noch wenige Monate bis zur Präsidentschaftswahl 2014, aber zumindest medial bekommt man das Gefühl, dass sich hier leere, abgedroschene Phrasen fortwährend wiederholen, ein wirkliches Konzept scheint nicht vorhanden. Während Ex-Wirtschaftsminister Ali Benouari verspricht, dass Algerien unter seiner Führung zukünftig wirtschaftlich zu den Top-20 Nationen gehören wird – ohne jedoch klarzustellen wie er dies erreichen will, erstellte Soufiane Djilali auf seiner Website ein Konzept, welches die Leser ermüden lässt – langatmig und mit wenig Aussagekraft. Der Wähler fragt sich: Wo bleiben die Fakten? Wo der Inhalt? Viele Worte die jedoch den Kern nicht treffen. Den Ist-Zustand kennt jeder, auch das sich in Algerien nichts zum Positiven verändern wird, wenn es jetzt nicht zu einer radikalen Wende in diesem Land kommt. Während Benouari – per Ferndiagnose, aus der Schweiz mediale Reden schwingt und sich bisher scheinbar nicht die Mühe machte aktiv vor Ort in den Wahlkampf zu gehen, so mag Djilalis Konzept zwar in Schriftform etwas missglückt sein, aber er glänzt durch Aktivismus, bewegt sich, hält Vorträge, setzt auf Bürgernähe und beantwortet Fragen. Dr. Djilali reist durchs Land und präsentiert sich der Öffentlichkeit, so besuchte er beispielsweise in der vergangenen Woche Laghouat. Kandidat Nummer 3 – Rachid Nekkaz, wird am 17. Dezember an der Universität Mouloud Mammeri in Tizi-Ouzou sprechen, aber wer ist eigentlich Rachid Nekkaz? Ein Franko-Algerier der bereits das Präsidentschaftsamt 2007 in Frankreich anstrebte. Sein Wunsch nach öffentlicher Aufmerksamkeit scheint ungebrochen und so geriet der Geschäftsmann auch in die Schlagzeilen, indem er in Frankreich eine Organisation gegen das Burka-Verbot gründete und Strafgelder für Burka-Trägerinnen zahlte. Nekkaz ist weit entfernt, von dem was man einen Patrioten nennt, er scheint eher ein Selbstdarsteller, der nach Aufmerksamkeit lechzt. Kandidat Nummer 4 – Yasmina Khadra. Nun was macht eigentlich Yasmina? Sollte man „die“ Yasmina sagen, oder doch besser „der“ Mohammed, was wäre der Dame/dem Herrn denn lieber? Hat in Algerien tatsächlich jemand die Chance auf das höchste Amt im Staate, der als männlicher Autor für seine Bücher ein Frauen-Pseudonym wählte? Rachid Nekkaz und Mohammed Moulessehoul haben zumindest eines gemeinsam, zwei Lachnummern im edlen Gewand die irgendwie realitätsfremd scheinen. Auch von Kandidat Nummer 5 – Ex-Premierminister Ahmed Benbitour, und seinem Wahlkampf hört man recht wenig. Woran liegt das? Macht er Wahlkampf nur am Rande oder berichten die Medien einfach nicht über ihn. Eigentlich sind nur Djilali, Benouari und Benbitour als beachtenswerte Persönlichkeiten zu nennen, was jedoch jeder einzelne von ihnen aus seiner Chance machen wird bleibt abzuwarten. Djilalis erste Veröffentlichung über sein Programm soll nur der Anfang sein, weitere Veröffentlichungen werden folgen. Dr. Soufiane Djilali scheint der Fähigste unter den 5 Kandidaten zu sein, er nimmt kein Blatt vor den Mund und geht bei seinen Reden in die Offensive, sagt klar was er denkt und in Mimik und Gestik spiegelt sich weder Furcht noch Unsicherheit, sondern Entschlossenheit – die Schieflagen im Land wirklich angehen zu wollen. Viele seiner Reden kann man übrigens auf Youtube unter „Jil Jadid“ abrufen. Verfolgt man hingegen Interviews von Ali Benouari bekommt man nicht das Gefühl, dass er selbst von sich überzeugt ist, auch beruft er sich zu sehr auf Zukunftsprognosen, Statistiken die den Aussagen des ehemaligen Ministers für Planung und Statistik – Dr. Bachir Messaitfa (Minister Sept. 2012- Sept. 2013), sehr ähnlich sind – fast zu ähnlich. Benouari trifft nicht den wesentlichen Kern und wenn man sein Ziel in Abwesenheit – alleinig durch die Medien – erreichen möchte, dann sollte man klar und überzeugend sein, denn zunächst gilt es für alle Kandidaten 60.000 Menschen  zu gewinnen, deren Unterschrift eine Aufstellung als Präsidentschaftskandidat erst ermöglichen. Algerien braucht keine Zukunftsprognosen, auch weiß man in Algerien sehr wohl welches Potential das eigene Land hat, Algerien braucht von seinen Präsidentschaftskandidaten Handfestes: „So oder so wird die Lösung der Probleme aussehen – gestaffelt von A-Z, angefangen mit der Bekämpfung von Korruption in der Führungsriege.“ Zukunftsprognosen sollte man den Wirtschaftsexperten überlassen und auch wenn Ali Benouari einer ist, so sollte sein Hauptaugenmerk als Präsidentschaftskandidat doch eher auf anderen Punkten ruhen, nämlich wie er das Land aus der Krise führen wird. Als Anmerkung: Der derzeitige Präsident Abdelaziz Bouteflika, hat sich bisher immer noch nicht dazu geäußert, ob er erneut als Präsidentschaftskandidat der FLN ins Rennen gehen wird. Es erweckt den Eindruck, er ist seines Amtes müde und man sucht derzeit – hinter verschlossenen Türen, dringend nach einer Alternative. Spielt Bouteflika nicht mehr mit?

Nachtrag 16.12.2013: Ein neuer Präsidentschaftskandidat betritt die Bühne – Ali Benflis –  Ministerpräsident 2000-2003, genaue Angaben sollen zum Jahresende bekannt gegeben werden.

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