Algerien: Anhaltende Straßenschlachten in Ghardaia – Todesopfer mehren sich

ghardaia 2von Birgit Manzke

Die Lage in Ghardaia schien sich für wenige Tage beruhigt zu haben, dieser Frieden währte jedoch nicht lange. Chaambas greifen immer wieder mozabitische Wohngegenden an, selbst Gräber wurden geschändet. Mittlerweile sind schon 5 Todesopfer zu verzeichnen, allesamt Mozabiten. Auch heute kam es wieder zu Plünderungen, Häuser von Mozabiten wurden in Brand gesetzt und gegen Dr. Kameleddine Fekhar wurde zur Lynchjustiz aufgerufen – alles scheinbar mit Duldung des Staates. Dr. Fekhar ist ein bekannter Menschenrechtler, welcher sich beharrlich für die Rechte der Berber einsetzt und der aus diesen Gründen schon mehrfach im Gefängnis saß. Duldung ist angesichts der Vorkommnisse eigentlich kein Ausdruck mehr, die bessere Formulierung wäre: Mit Unterstützung des Staates – denn seine Sicherheitskräfte schlagen sich auf die Seite der arabischen Angreifer (Chaambas). Zwar wurden in der vergangenen Woche drei junge Polizisten verurteilt, aber was nützt es wenn der Rassenhass in den Köpfen der staatlichen Organe verankert ist – dieser Prozess glich eher einem Schauprozess, um die Mittäterschaft hoher Beamter zu verschleiern. Vor ca. 2 Wochen wurde ein Mozabit von der Polizei ins Koma geprügelt, er erlag später seinen Verletzungen. Die Fotos des heutigen Mordopfers – Babaousmail Azzeddine, sind so grausam, dass ich sie meinen Lesern ersparen möchte. Der 22-jährige Student wurde regelrecht ausgeweidet. Seine inneren Organe hingen aus der aufgeschlitzten Körperöffnung.  Die algerische Menschenrechtsorganisation LADDH schlug schon vor Wochen Alarm, „Es handelt sich um ein schwerwiegendes politisches Problem, man will die Mozabiten radikalisieren,“ so Salah Dabouz – Präsident von LADDH. Er und Yacine Zaid – LADDH Gebietsleiter der Kommune Laghouat, hatten die Ereignisse der letzten Wochen untersucht und betroffene Personen beider Seiten befragt. Der Vorwurf auch durch LADDH: „Die Polizei verhält sich nicht neutral, sie schlägt sich stattdessen auf die Seite der Angreifer.“ Kameleddine Fekhar spricht unterdes vom Genozid gegen sein Volk. LADDH hat bereits ein Schreiben an die UNO vorbereitet, um auf die schweren Menschenrechtsverletzungen gegen die Mozabiten aufmerksam zu machen. Die Washington Post veröffentlichte vor zwei Wochen einen Artikel und CNN publizierte zumindest einen Leserbrief, auch France 24 hatte das Thema bereits aufgegriffen, leider rührt sich in der deutschen Medienlandschaft nichts. Das in dem Artikel veröffentlichte Foto zeigt deutlich, dass die Polizei sich auf die Seite der Angreifer schlägt, augenfälliger kann eine Aussage nicht sein: Mann mit Molotow-Cocktail wird von der Polizei geschützt. Zig Videos auf Youtube belegen, wie grausam und besorgniserregend die Lage in Ghardaia und umliegenden – von Mozabiten bewohnten – Städten ist, die gesamte Sicherheitslage könnte in Algerien ins Wanken geraten, denn diese Geschehnisse berühren mittlerweile nicht mehr nur die Mozabiten, auch andere Berberstämme schließen sich zur Unterstützung der Mozabiten zusammen. Selbst in Marokko kam es in der vergangenen Woche in mehreren Städten zu Demonstrationen, Angehörige des Volksstammes der Amazigh drückten ihre Unterstützung gegenüber ihren algerischen Nachbarn aus. Wenn Fakten international weiterhin ignoriert werden, könnte es in kürzester Zeit zu einem bösen Erwachen kommen, denn der Konflikt spitzt sich von Woche zu Woche zu und die algerische Regierung scheint der Lage nicht Herr zu werden oder nicht Herr werden zu wollen.

6.02.2014 Nachtrag: Der Mord wurde gefilmt. Wer starke Nerven hat – Bitte Video ansehen. http://www.youtube.com/watch?v=7ZeK3ctaraA

Videos von Dezember bis jetzt:“ http://www.youtube.com/watch?v=vIbOCCwIMcc“ https://www.youtube.com/watch?v=-4SRmJctpfU“ https://www.youtube.com/watch?v=GpSpcWabzNY“

Quelle Foto: Kameleddine Fekhar

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