Algerien: Staatliche Mitarbeiter werden erpresst für Bouteflika zu voten

boutef 1von Birgit Manzke

Präsidentschaftswahl: Man findet kaum noch Worte für das was derzeit in Algerien passiert. Ein schwer kranker Präsident will sich einfach nicht verabschieden und klammert am Thron. In Kürze soll entschieden werden ob Bouteflika es erneut – und zum vierten Male – schafft seine Kandidatur durchzusetzen. Der 76-Jährige zieht alle Register, um mit der Wahl am 17. April im Amt bleiben zu können und setzt dafür auch schon mal gerne unlauteren Wettbewerb ein. Unterstützt von seinem Gefolge tritt der Masterplan zutage, ein Masterplan der nicht zu toppen ist, denn kaum jemand wird sich trauen sich den Anordnungen zu widersetzen. Gestern wurde bekannt, dass der Direktor – des Berufsbildungszentrums in Setif, sein Lehrpersonal direkt vor der Tür der Einrichtung abfing, um ihnen Papiere in die Hand zu drücken, die das Personal nötigen sollten ihre Unterschrift für Bouteflika zu leisten. Gleiches soll in Bildungszentren in den Provinzen Béjaia, Bouira, Biskra und Batna geschehen sein – so die Quelle. Das Lehrpersonal des Berufsbildungszentrums in Setif weigerte sich, obwohl sie somit ihren Job riskierten, das übrige Personal war nicht so mutig und unterzeichnete teilweise. Eine Präsidentschaftswahl in Algerien läuft nach folgendem Muster ab: Alle Kandidaten müssen im Vorfeld 60.000 Unterschriften normaler Bürger sammeln oder an Stelle dessen 600 Unterschriften von staatlichem Personal – Beamte etc., um sich überhaupt erst als Präsidentschaftskandidat aufstellen lassen zu können – Bewerben kann sich fast jeder, aber diese Auflage muss erfüllt werden. Präsidentschaftskandidat Soufiane Djilali äußerte sich erst kürzlich über die Schwierigkeiten die man ihm bei seiner Unterschriften-Sammelaktion macht. Beamte forderten bis zu 100.000 DA damit sie ihm ihre Unterschrift geben, andere zeigten ihm beschämt SMS’n die sie erhielten – mit der Aufforderung, nicht für Dr. Djilali zu stimmen. Auch Präsidentschaftskandidat Rachid Nekkaz äußerte sich heute Morgen auf seiner Facebook-Fan-Seite: „Die FLN und die Mehrheit der Städte des Landes fordern das Personal der Gemeinden dazu auf für Präsidentschaftskandidat Herrn Abdelaziz Bouteflika zu stimmen. In der Stadt wo ich wohne (Ain-Mérane, Provinz Chlef), wurden Beamte durch die Obrigkeit im Rathaus gezwungen, für den Kandidaten der nationalen Befreiungsfront (FLN) zu stimmen .

Als Beispiel: Eine staatliche Mitarbeiterin aus Ain-Mérane – die mir ihre Stimme gab, zog diese später wieder zurück, aus Angst ihren Job zu verlieren.

Dieses Szenario findet in den meisten Städten statt. Meine offizielle Bitte an den Präsidentschaftskandidat Abdelaziz Bouteflika und an die FLN, sowie die 1541 Bürgermeister unseres Landes: Bitte wahren Sie die demokratische Ethik.“

Nachtrag: Soeben erreichte mich die Nachricht, dass Präsidentschaftskandidat Dr. Soufiane Djilali (Jil Jadid Partei) den Aufruf von Dr. Amira Bouraoui für eine Demonstration am 1. März –  auf dem Place Audin in Algier, gegen ein viertes Mandat von Präsident Bouteflika unterstützt. Man kann in Anbetracht dessen wohl kaum noch vom Pöbel sprechen, der zum Randalieren auf die Straße geht.

Quelle Foto: Algerisches Staatsfernsehen

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