Verhaftungswelle in Algier

1.3. algier Radio Trottoir

von Birgit Manzke

Bei einer friedlichen Demonstration – gegen ein viertes Mandat des amtierenden Staatspräsidenten Abdelaziz Bouteflika, kam es heute Morgen in Algier zu zahlreichen Verhaftungen. Am 17. April soll in Algerien neu gewählt werden und nichts hat die Bevölkerung wohl mehr in Wut und Trauer versetzt, wie die erneute Kandidatur eines schwer kranken 76-jährigen Mannes, der einfach nicht verstanden hat, dass seine Zeit als Präsident abgelaufen ist. Hunderte Bürgerinnen und Bürger, sowie Aktivisten verschiedener Organisationen, versammelten sich heute vor der Universität „Fac Central“ in Algier, um ihren Ärger kundzutun. Mohamed Dadi – Aktivist und Mitglied der algerischen Menschenrechtsorganisation LADDH (Hauptzentrale Algier), gab um 9.58 Uhr telefonisch die ersten Fakten bekannt. Meldungen von Verhaftungen erreichten LADDH – so Rechtsanwalt Sid Ali Boudiaf. Unter den Verhafteten die beiden „El Watan“ Journalisten – Abane Meziane und Mahdi Bsikri. Insgesamt soll es bereits in der ersten Stunde zu über 30 Verhaftungen gekommen sein. Im späteren Verlauf des Vormittags spitzte sich die Situation immer mehr zu. Gegen 11.00 Uhr wurden mehrere junge Frauen auf äußerst brutale Art und Weise verhaftet. Sicherheitskräfte jagten Demonstranten wie Vieh durch die Straßen des Boulevards Didouche Mourad.

In den vergangenen Tagen konnte man immer wieder folgenden Leitspruch auf den Facebook-Profilen vieler Algerier lesen: „Ni Toufik, Ni Bouteflika … vive le peuple (Weder Bouteflika noch Toufik… lang lebe das Volk).“ Hinter dem Namen Toufik verbirgt sich niemand anderes als der Geheimdienstchef Mohamed Mediene. Die Algerier sind beschämt, enttäuscht und verbittert: „ Im Ausland spottet man nun über uns“, konnte man mehrfach lesen. „Ein schwarzer Tag für Algerien“, waren andere Sprüche – immer wieder versehen mit ablehnenden Fotos gegen den amtierenden Präsidenten. Mal wurde er als eine – in Leinen gewickelte – Mumie dargestellt, mal schmückte die algerische Flagge – anstelle von Halbmond und Stern, einen Präsidenten im Rollstuhl. Es bleibt abzuwarten wie sich die Situation in den kommenden Wochen entwickeln wird. Das größte Land Afrikas scheint derzeit ein Pulverfass zu sein: Unruhen in der Provinz Ghardaia, Studentendemonstrationen in Bejaia, landesweite Lehrerstreiks, Demonstrationen gegen ein viertes Mandat Bouteflikas – die sich vermutlich noch ausweiten werden, alles scheint derzeit außer Kontrolle. Einige Eindrücke vom heutigen Tag:

1) https://www.youtube.com/watch?v=oKZ65pvQTE0#t=292

2) http://www.youtube.com/watch?v=idSgApv-428&app=desktop

Quelle Foto: Radio Trottoir

Nachtrag: Auch in Constantine, Laghouat, Bougie, Ouargla und Bouira wurde demonstriert. 

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