Algerien: Härtetest für Bouteflika

BARAKATvon Birgit Manzke

Während sich andere Kandidaten von ihrer Anwartschaft auf das Präsidentschaftsamt – bei der Wahl am 17. April – bereits verabschiedet haben, gab Ex-Ministerpräsident Ali Benflis (Ministerpräsident 2003-2004) heute um 11.00 Uhr beim Verfassungsrat in Algier sein Dossier ab. Er hat es geschafft, hat die nötigen 60.000 Stimmen aus der Bevölkerung im Vorfeld der Wahlen erreicht. Ein Hoffnungsschimmer? Vor dem Verfassungsrat wartende Demonstranten, wartend, auf das was die nächsten Stunden und Tage passieren wird. Wer – der unzähligen Kandidaten – hat es geschafft 60.000 Stimmen aus der Bevölkerung – oder ersatzweise 600 Stimmen von Beamten – zu erlangen? „Benflis als Präsident“ – rufen seine Anhänger lautstark, als Benflis vor dem Verfassungsratsgebäude eintrifft. Das Volk scheint uneins denn nicht alle sehen Benflis gerne als Nachfolger Bouteflikas, es wäre zwar ein Wechsel der Präsidentschaft, aber sollte durch Benflis tatsächlich ein positiver Umbruch in Algerien stattfinden? Schließlich war es Benflis der – während seiner Amtszeit als Ministerpräsident, im Juni 2001, das Demonstrationsverbot zu verantworten hatte. Andere Stimmen behaupten, dass auch er in Korruptionsskandale verwickelt war, ein Wandel also vom Bad Boy zum Saubermann? Ein bunter Mix aus Sympathisanten für Benflis und Aktivisten der neu entstandenen Bewegung „Barakat“ sammelte sich heute vor dem Verfassungsrat, sie haben ein Ziel gemeinsam: Keine vierte Amtszeit für Bouteflika. Barakat bedeutet nichts anderes als: Ich habe genug! Wie schon am 1. März vor der Universität in Algier, so kam es auch heute wieder zu zahlreichen Verhaftungen. Amira Bouraoui, eine Mitbegründerin dieser Bewegung, wird derzeit immer noch auf dem Polizeipräsidium von El Biar festgehalten. Die Facebook-Page „Mouvement Barakat“ wurde erst am 2. März gegründete und umfasst derzeit bereits eine Interessengemeinschaft von mehr als 7200 Menschen. Diese Bewegung scheint so interessant, dass selbst der algerische Fernsehsender Chourouk-TV nicht umhin kam, den Gründer der Bewegung Mehdi Bsikri, Journalist bei El Watan-Online, zu einer Gesprächsrunde einzuladen. Der harte Schlagabtausch – zwischen Bsikri und einem regimetreuen Gegner, war durch den Moderator der Sendung kaum zu bändigen. Angesammelte Emotionen entluden sich und doch sprach Mehdi Bsikri das aus was viele denken: Es muss zu einem Wandel in Algerien kommen. „Barakat“ ist wohl eines der häufigst verwendeten Worte in den letzten Tagen.

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