Algerien: Schock für Bouteflika – Kommunalgarde gegen ihn

Gardes-communaux-2von Birgit Manzke

Stündlich wächst in Algeriens Bevölkerung der Unmut, gegen den amtierenden Präsidenten und dessen Beharrlichkeit an seinem Amt festhalten zu wollen. Seit der Bekanntgabe seiner Kandidatur – durch Ministerpräsident Abdelmalek Sellal, am 22. Februar – steht Algerien Kopf. Überall im Land gehen die Menschen auf die Straße, selbst Leute die bisher politisch nicht aktiv waren, hält nichts mehr in ihrem sicheren Zuhause. Heute die große Überraschung: Die Kommunalgarde – auch Kommunale Wachen genannt – unterstützen die Streikenden. Ein herber Schlag gegen das Regime. Wie will man das nun vor allem dem Ausland erklären? „Terrorist“ fällt weg, eine Regierung in Erklärungsnot.

Begriffserklärung/Kommunale Wachen:

Militär zusammen mit Innenministerium, riefen am 3. August 1996 die Kommunalen Wachen ins Leben. Sie diente ausschließlich der Terrorismusbekämpfung. Da der Anti-Guerilla-Krieg gegen die Islamisten zum damaligen Zeitpunkt fast ausschließlich von der Armee geführt wurde, sollten regionale Abwehrtruppen zur Unterstützung erstellt werden – es entstand die Kommunalgarde. 2012 wurde die Kommunalgarde jedoch offiziell aufgelöst – 54.000 Sicherheitskräfte gingen wahlweise in Rente, 22.000 entschieden sich für den Dienst beim Militär.

Die ehemaligen Anti-Terror-Kämpfer stellen sich nun gegen ihren Präsidenten und folgen dem Aufruf vieler Oppositionspolitiker und Aktivisten, dem Schandmal Bouteflika ein Ende zu setzen. Die Algerier fühlen sich gedemütigt und dies zurecht. Bouteflika ist schwer krank, hat sich seit mehr als einem Jahr nicht mehr der Öffentlichkeit präsentiert, eine vierte Amtszeit des 77-Jährigen erscheint vielen als untragbare Zumutung. Bei der Zeitschrift „El Watan“ eingegangene Meldungen belegen, dass die Kommunalgarde ihre ehemaligen Kämpfer zu einem Sitzstreik am Sonntag dem 9. März aufgerufen hat, folgen werden Demonstrationen am 12. März. Diese Demonstrationen werden sich über einen Großteil des Landes erstrecken: Von der Landesmitte bis nach Bouira, Tizi Ouzou und Bejaia werden diese starken Kämpfer ihr Volk unterstützen. Koordinator der Demonstrationen – Aliouat Lahlou: „Wir sind müde von diesem faulen System, wir sind müde von dieser Macht“ – und er spricht im Namen der Kommunalgarde sowie vieler Algerier. Geplant ist ein Marsch von Bouira nach Algier am 12. März und es bleibt abzuwarten, wie viele Menschen sich den ehemaligen Kämpfern – für Recht und Ordnung, anschließen und ob sich nicht früher oder später einstige Freunde als Feinde gegenüberstehen werden. Sollte das Militär eingreifen, dann wäre dies durchaus denkbar.

Quelle Foto: M. Salim (Juli 2012)

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