Algerien/Algier und Bouira: Erneute Demonstrationen gegen Bouteflika

Foto El Watan - 6.3.von Birgit Manzke

Wer da geglaubt hat, dass algerische Volk lässt mit sich spielen, hat sich scheinbar geirrt. Ein großes Polizeiaufgebot heute in Algier. Vor der großen Post platziert: 50 Polizeiautos, 1 Bus und 8 Kleintransporter – nebst dutzender Polizisten. Erste Verhaftungen bereits um 11.00 Uhr vor der Universität Fac Centrale in Algier, weitere vor der großen Post. In Bouira richtet sich der Volkszorn zudem gegen Transportminister Amar Ghoul: „ Amar Ghoul du Dieb, Amar Ghoul du Idiot“, rufen die Demonstranten. Seit der Bekanntgabe einer erneuten Kandidatur des Präsidenten, kommt es täglich landesweit zu Demonstrationen. Jeden Tag Fotos von Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Protestlern und jeden Tag unzählige Verhaftungen. In den letzten Tagen überschlagen sich die Ereignisse: Algier, Ouargla, Laghouat, Bouira, Tizi Ouzou, Bejaia – überall im Land kommt es zu Protesten gegen Bouteflikas erneutes Mandat. Der arabische Frühling scheint Algerien erreicht zu haben. Am 17. April wird im größten Land Afrikas ein neuer Präsident gewählt, doch außer für Bouteflika scheint es abermals unmöglich, dass ein anderer Kandidat das Zepter ergreift. Eine vierte Amtszeit des 77-jährigen Präsidenten erscheint vielen Algeriern jedoch als unzumutbare Belastung. „Ich spüre es, die Zeit scheint gekommen“, verkündete Meziane Abane am 1. März. Meziane Abane ist einer der El Watan-Journalisten, die sich intensiv mit den Vorkommnissen der letzten Wochen befassen, auch er wurde am 1. März bei der Demonstration vor der Universität in Algier verhaftet. Demonstrationen sind seit 2001 offiziell in Algerien verboten und doch hält nichts und niemand mehr das algerische Volk davon ab auf die Straße zu gehen. Sie fordern Demokratie, sie fordern den Rückzug des kranken Präsidenten und sie fordern die Einstellung der Aktionen des algerischen Geheimdienstes DRS. Eine starke Bürgerbewegung namens „Barakat“ wurde gegründet, eine Bewegung aus dem Herzen der algerischen Bevölkerung. Die junge Ärztin Amira Bouraoui ist eine der Gründerinnen, fast täglich wird sie bei Demonstrationen verhaftet und weilt auf dem Polizeipräsidium. Niemand kannte Dr. Bouraoui zuvor, sie war nicht vom harten Kern der Menschenrechtsbewegung. „Barakat“, eine starke Bewegung die aus dem Nichts entstanden ist. Barakat heißt nichts anderes als „Genug“, genug von alldem was die letzten Jahre in Algerien passierte, genug der ständigen Verhaftungen von Menschenrechtsaktivisten, genug von all den Lügen, genug von Korruption, genug von leeren Versprechungen und Drohgebärden – genug von Bouteflika und seinem Clan. Demokratie ist möglich und es war zu erwarten, dass Algerien nun die Frucht der Bemühungen, im Nachbarland Tunesien, zur Kenntnis nimmt. Algeriens Regierung spielte mit dem Feuer, als sie Bouteflika noch einmal an die Regierungsspitze wünschten und dies in den vergangenen Monaten immer wieder verkündeten. Man hofft scheinbar immer noch auf die Lähmung der algerischen Bevölkerung durch den letzten Bürgerkrieg Anfang der 90er. Minister für Transport – Amar Ghoul, setzte unterdes – beim algerischen Fernsehsender Echourouk-TV, auf die altbewährte Masche, das Ausland für die jetzigen Vorgänge in Algerien verantwortlich zu machen. In den kommenden Tagen wird es zu einer Überraschung kommen, denn die „Kommunalen Wachen“ – auch Kommunalgarde genannt, will sich an den Demonstrationen beteiligen. Die Garde, die einst geschaffen wurde, um gegen Terrorismus zu kämpfen, wendet sich nun gegen ein viertes Mandat von Bouteflika. Sie existiert seit 2012 offiziell nicht mehr und doch sind ihre ehemaligen Kämpfer zu allem bereit.

Video: Heute in Algier https://www.youtube.com/watch?v=o_fIZH4-vYg

Quelle Foto: El Watan – 6.03. große Post in Algier

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