Algeriens Volkszorn entlädt sich – Ex-Ministerpräsident Sellal sagt mehrere Reden ab

bejaia 4.4..jpg foto kamel medjdoub

von Birgit Manzke

Starke Proteste verhinderten heute – in der nordöstlich gelegenen Hafenstadt Bejaia, dass der ehemalige und jetzige Wahlhelfer Bouteflikas, seine ursprünglich geplante Wahlpropagand Ministerpräsident a – im Kulturhaus, durchführen konnte. Hunderte Demonstranten belagerten die Umgebung rund um das Kulturhaus, ein Zugang zu den Räumlichkeiten war für Sellal aufgrund dessen nicht mehr möglich. Viele Verletzte, unter anderem wurden10 verletze Polizisten durch „El Watan“-Reporter gezählt, die Polizei reagierte mit Tränengasgranaten. Der Volkszorn entlud sich in voller Wucht, angegriffen wurde auch ein Reporter von Ennahar-TV, dessen Sender durch Nähe zum Bouteflika-Clan bekannt ist. Trotz seiner Behauptung ein freier TV-Sender zu sein und neutral zu berichten, wurde dies in den vergangenen Wochen doch stetig widerlegt. Während die ersten Stunden unklar war, wo und ob Sellal seine Rede noch halten wird, wurde soeben bekannt, dass er eine kurze Ansprache in der Halle des Flughafens von Bejaia hielt, zu dem er sich begab, um die Stadt – via Flugzeug – in Richtung Algier zu verlassen. „Sie sahen es mit Ihren eigenen Augen, was passiert ist. Wir sind gegen Gewalt, Extremismus und Ausgrenzung. Extremismus wird in diesem Land nicht erfolgreich sein. Die beste Antwort war, dass wir das Meeting annullierten, trotz der Anwesenheit einer großen Menschenmenge im Sitzungssaal die meine Rede hören wollten, nur so konnte Gewalt vermieden werden“, sagte Sellal den Zuhörern und Reportern. Der Volkszorn kocht, von einer vierten Amtszeit Bouteflikas möchten viele Algerier nichts mehr hören und vor allem in den Berber-Regionen kommt es immer wieder zu starkem Widerstand. Erst in der vergangenen Woche musste Sellal eine Rede in Ouargla abbrechen und konnte nur mit Mühe und Not seinen Rednerpult und die Räumlichkeiten verlassen. Aus Sicherheitsgründen wurde nun auch eine – für kommenden Mittwoch, geplante Rede in Batna abgesagt. Die Anordnung kam vom Präsidenten persönlich. In Batna würde es zu sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu Ausschreitungen kommen, denn die überwiegende Mehrheit der dort lebenden Bevölkerung gehören der Volksgruppe der Chaoui’s an und diese hatte Abdelmalek Sellal erst kürzlich mit den Worten: „Die Chaoui’s haben kein Benehmen“, beleidigt. Eine Rede in Tizi Ouzou – geplant für den morgigen Tag, soll jedoch stattfinden. Das Sicherheitsaufgebot wird groß sein, denn auch hier haben Studenten für morgen Demonstrationen geplant. In den letzten Wochen war es den fleißigen Wahlhelfern kaum möglich, in irgendeiner Stadt ihr Programm ohne Störung durchzuführen. Pfeifkonzerte, Buhrufe und Beschimpfungen waren begleitend. Erst gestern wurde Staatsminister Ouyahia in Oum El Bouagui mit Joghurt beworfen. Video 5.04. in Bejaia: https://www.youtube.com/watch?v=-z8AUVqqtnc

Foto: Kamel Medjdoub – Bejaia 5.April 2014

 

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