Präsidentschaftswahl in Algerien: Benflis oder Bouteflika – wer ist dem Volk tatsächlich näher?

ali benflis 13.4.
Von Birgit Manzke

In drei Tagen ist es soweit, Algeriens Bevölkerung wird einen neuen Präsidenten wählen. Die letzten Wochen zeigten es deutlich, fast in allen Städten Ablehnung für Bouteflikas Wahlwerber, Steine und Eier flogen, sogar ein Gebäude – indem Wahlwerber Ex-Ministerpräsident Abdelmalek Sellal seine Rede halten wollte,wurde vergangene Woche in Bejaia in Brand gesetzt. Negativ Schlagzeilen, gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Ali Benflis oder dessen Wahlhelfer, konnte man jedoch kaum vernehmen, Attacken gegen sie kamen höchstens von der Konkurrenz. „Ein Kandidat der zur Gewalt im Land aufruft“, so Bouteflika vorgestern bei einem Gespräch mit Spaniens Außenminister José Manuel Garcia-Margallo – ohne jedoch einen Namen zu nennen. Er bezieht sich hierbei auf eine Fernsehansprache von Ali Benflis – beim Fernsehsender ENTV vor ein paar Tagen – dessen sind sich alle sicher. Benflis warnte vor Wahlbetrug und dessen Folgen. Die Aussage Bouteflikas, zu einem ausländischen Diplomaten, ist höchst erstaunlich, wurde doch Benflis Unterstützer – Ex-Minister Ali Benouari, in höchstem Grade denunziert, weil er Briefe an die EU, UNO und den amerikanischen Präsidenten Barak Obama schickte und vor einer drohenden Katastrophe warnte (Der Brief ist auf dieser Page veröffentlicht). Betrachtet man Videos und Bilder der vergangenen Wochen so wird eines klar, wenn einer der 5 Gegenkandidaten Bouteflikas eine Chance hat, dann ist es der 69-jährige Benflis. Während die Wahlwerber Bouteflikas stets von vielen Sicherheitskräften umgeben sind, so macht sich Benflis über seine Sicherheit wenig Gedanken, er ist dem Volke zugänglich und das Volk ihm. Benflis spricht zu seinen Landsleuten, Bouteflika überlässt das Reden anderen. Der 77-jährige Präsident wurde das letzte Mal im Mai 2012 – in Setif – in der Öffentlichkeit gesehen, seitdem ist es still um ihn geworden. Im vergangenen Jahr weilte er 4 Monate – wegen eines Schlaganfalls – im Pariser Militärkrankenhaus Val-de-Grace, im Januar 2014 erneuter Kurzaufenthalt in gleichem Krankenhaus. Bouteflika: Ein schwer kranker Mann der seinen Thron einfach nicht bereit ist zu räumen.
Video Ali Benflis bei seiner öffentlichen Rede am 11. April in Khanchla. Denken Sie an diese Bilder, wenn die Wahl sich am 17. April entscheidet: https://www.youtube.com/watch?v=JPOnhRTX0-E

Nachtrag 14. April: Lakhdar Brahimi gestern zum Gespräch bei Bouteflika. Der ehemalige beigeordnete Generalsekretär der Arabischen Liga und Minister für auswärtige Angelegenheiten und heutige UN-Sonderbeauftragte für Syrien – Lakhdar Brahimi, weilte eigentlich aus privaten Gründen in Algier. Er traf sich jedoch gestern mit Algeriens Staatsoberhaupt, um unter anderem auch über die Präsidentschaftswahl zu sprechen. Wieder Attacken in Richtung Benflis. „Es gab Aufrufe zur Fitna und der ausländischen Intervention“, so Bouteflika zu Brahimi. „Was ist das? Eine Fitna? Eine Revolution? Ein Frühling?“, so Bouteflika weiter. „Es wird vielleicht ein bisschen von allem sein“, antwortete Brahimi. Der 80-jährige Brahimi später in einer Erklärung beim algerischen TV-Sender Ennahar: „Der Präsident und ich gehören zu einer unabhängigen, stolzen Generation die keine ausländische Einmischung akzeptieren“, sagte Brahimi. „Ich war sehr glücklich darüber den Präsidenten getroffen zu haben. Sein Gesundheitszustand hat sich deutlich verbessert“, so Brahimi weiter. (Nachtrag-Information von El Watan)

Foto Unterstützer-Page: Ali Benflis

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