Sextourismus in Tunesien: Wenn ältere Damen Urlaub machen

Freundschaftspins-Deutschland-Tunesien

von Birgit Manzke

Flughafen Düsseldorf: Flug nach Tunis. Ich sitze in der Wartehalle und beobachte die Leute: „ Wer reist heute so alles nach Tunis?“ Mir fallen zwei ältere Damen auf, gekleidet als würden sie zum Karneval nach Rio fliegen und geschminkt, als seien sie in einen Schminktopf gefallen – „schön“ sieht anders aus. „Nun“, schoss es mir durch den Kopf, „was die zwei vorhaben ist klar.“ So scheint es oft abzulaufen und die Frage ist: Warum? Was passiert dort in Tunesien, oder was passiert bereits in Deutschland vor dem heimischen Computer. Mein Bericht: „Heirat und Partnerwahl im arabischen Kulturkreis verstehen lernen“, wird immer wieder gerne gelesen, was bedeutet, Frauen beschäftigen sich mit dem Thema und wollen wissen, ob der Jüngling, der ihnen schöne Augen macht und ihnen gerade die Welt zu Füßen legt, es tatsächlich ernst meint (https://nordafrika.wordpress.com/2013/05/30/heirat-und-partnerwahl-im-arabischen-kulturkreis-verstehen-lernen/). Wir in unserer westlichen Welt, fühlen uns im Alter einsam, wenn verheiratet, dann haben wir vermutlich vor vielen Jahren von unserem Ehemann das letzte Mal gehört:“ Du wundervolle Blume, schönste aller Frauen“, oder ganz einfach, „ Ich liebe dich.“ Geschiedene oder verwitwete Frauen suchen oftmals ein neues Liebesglück und sind offen für jegliche Schmeicheleien. Die Kinder sind aus dem Haus und man langweilt sich im unterkühlten Deutschland, also warum nicht mal den Versuch wagen, mit einem jungen, rassigen Südländer, der einem verspricht die Sterne vom Himmel zu holen? Ja, wenn man eines den nordafrikanischen Männern nachsagen kann, dann ist es das sie Charme besitzen, denn „wundervolle Blume“ wird wohl kaum ein deutscher Mann jemals zu seiner Angebeteten gesagt haben. Nur wenige haben sich zuvor mit dem Thema „Bezness“ befasst, sie rutschen entweder durch Urlaub in eine solche Liebesbeziehung oder lernen ihren Geliebten im Internet in irgendeiner Singlebörse oder in sozialen Netzwerken wie Facebook kennen. Bei Letzterem ist es fast immer der gleiche Ablauf: Ältere Frauen werden gezielt in irgendwelchen Gruppen gesucht, in Gruppen, in den sie Kommentare geschrieben haben. Das Profil der Dame wird erkundet und entspricht gewisse Dame dem Beuteschema, was da lautet: alt, an Nordafrika interessiert, könnte vermögend und bereit sein – so wird diese Dame angeschrieben. Auch hierfür gibt es verschiedene Muster: 1) Mitleidsschiene – armer Student, arme Familie, arbeitslos „bitte helfen“, oder: 2) „Wundervolle Frau, eine wie du war schon immer mein Traum.“ Dabei ist völlig irrelevant, dass die wundervolle Frau vielleicht 60 Jahre alt und unattraktiv ist und ihr Verehrer wahrscheinlich halb so alt, es geht ums Geschäft – dem Transfer von Geld, zu einem Treffen wird es in diesem Fall nie kommen. Leute – Frauen als auch Männer – die aus dem Bezness-Bereich kommen, sind darauf geschult Europäer abzuzocken, ihren wahren Namen erfährt man vermutlich nie. Es gibt aber auch den anderen Typ, der, der sich quasi kaufen lässt und seinen jungen Körper für ein paar Euro – oder eine Aufenthaltsgenehmigung in Europa – verkauft, Ziel ist hierbei immer die Eheschließung. Die Masche ist in Fall drei die gleiche wie in Fall zwei: Komplimente bis zum Exzess, Charme dem jede Frau verfallen wird, die lange Zeit nicht mehr glücklich war. Natürlich könnte man es als gegenseitig Bedürfnisbefriedigung bezeichnen, frei nach dem Motto: „Ich gebe dir das Gefühl von Liebe und du gibst mir dein Geld“ – aber ist es das, was beide Seiten im Grunde ihres Herzens wollen? Für die europäischen Damen wird der tiefsitzende Hunger nach Liebe nur für kurze Zeit gestillt – wenn sie Glück haben für ein paar Jahre, bis der Aufenthaltsstatus in Europa dauerhaft genehmigt ist – und der junge Mann hätte auch viel lieber eine gleichaltrige Landsmännin im Arm und würde mit ihr gerne Zärtlichkeiten austauschen. Ich möchte hierzu gerne ein Beispiel aufführen, was mir selbst gerade vor ein paar Tagen zum x-ten Mal passiert ist und ich weiß nicht ob ich Mitleid mit diesen armen, jungen Dingern haben soll oder Wut auch unsere Frauen, die so was erst ermöglichen und in Tunesien ein Bild von uns Deutschen hinterlassen, was nicht mehr zu kitten ist. Aymen, ein hochgewachsener und wirklich attraktiver junger Mann aus Tunesien. Ich hatte gerade einen Kommentar auf der Page „Tunisians in Germany“ auf Facebook hinterlassen, als ich nur wenige Minuten später eine Nachricht, sowie Freundschaftsanfrage von ihm bekam. Ich muss dazu sagen, dass ich aufgrund meiner Arbeit, sowieso schon vorsichtig bin und mir zunächst Profile immer erst ansehe. Checkliste: Fotos, Name, Land, Freundesliste und wie alt ist das Profil. Kommt mir irgendetwas komisch vor, wird sofort geblockt, dies sollte sich jeder zu eigen machen, der nicht auf Fakes hereinfallen will. Aymen hatte sein Profil weitestgehend für alle offen und so konnte ich zumindest an der Menge der Fotos erkennen, dass er kein Fake zu sein schien. Die lustigen Bilder – gemeinsam mit seinen Freunden – und seine strahlenden Augen verrieten, dass er ein freundlicher, lebenslustiger Mensch sein musste. „Okay“, dachte ich, „spielst du das Spiel mal mit und mal sehen was kommt“, denn anhand einiger Fotos war zu erkennen, dass er eher aus ärmlichen Verhältnissen kam. Nun, Aymen ist 25 Jahre alt und ich könnte definitiv seine Mutter sein. Zunächst fiel mir auf, dass Aymen nur ca. zwei Wochen zuvor an seine Pinnwand geschrieben hatte: „Ich glaube ich bin verliebt“. „Oha“, dachte ich, „na das kann ja spannend werden.“ Aymen begann natürlich ziemlich zügig Komplimente zu machen und ich machte ihm klar, dass diese Masche bei mir nicht zieht und fragte ihn, was er denn nun wirklich von mir wolle. Nun, meine Frage beantwortete er nicht, aber ohne das ich irgendetwas zu diesem Thema sagte, erklärte Aymen mir direkt wie glücklich er in Tunesien sei und er würde sein Land nie verlassen wollen – dies ist übrigens eine typische Aussage, die Realität sieht dann am Ende aber anders aus. Er sei zwar momentan arbeitslos aber er würde in kurzer Zeit beim Zoll anfangen zu arbeiten, außerdem hätte er jemanden der ihn finanziell unterstützt, ich sollte also gar nicht erst etwas Falsches denken. Ich wiederholte meine Frage: „ Was willst du von mir?“ Irgendwann begriff der junge Mann, dass Masche zwei: Komplimente und umwerben – nicht fruchtete, also probierte er es mit der Mitleidsschiene. „Du hast alles was ich nicht habe, Arbeit, Geld und ein schönes Leben, aber ich bin ja nur ein armer Afrikaner.“ Natürlich prallte auch das an mir ab. Irgendwann beantwortete er auch endlich auf meine Frage und da ja bei mir alles irgendwie nicht so richtig funktionierte wie er sich das vorgestellt hatte, schrieb er mir, er wolle nur Freundschaft. Er gab die Frage zurück und fragte mich was ich denn wolle. Nun ja, nach all der Eierei war eine Freundschaft für mich natürlich ausgeschlossen und ich schrieb kurz und knapp, ich hätte schon genug Freunde. Dann ging es richtig zur Sache. Aymen meinte dann, er könne mich auf der Sex-Schiene ködern und prahlte von seinem besten Stück, lud mich zu einem gemeinsamen Urlaub nach Tunesien ein und nannte mich Lover. Wenn es nicht so traurig wäre, dann könnte man eigentlich darüber lachen. Es ist zumeist Armut die die Leute zu so etwas treibt. Ich erinnere mich an eines seiner Fotos, ein dunkler, kleiner Raum und der junge Mann an einer alten Nähmaschine Kleidung flickten – diese Arbeit ist vermutlich nicht sein Lebenstraum. Sollten seine Angaben stimmen, so hat er Wirtschaft studiert und keine Arbeit gefunden, aber was kann man schon glauben, wenn doch von Anfang an klar war, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Ein befreundeter Polizist aus Gabes, sagte einst zu mir: „ Birgit, ich hasse manche meiner Landsleute für ihr Verhalten gegenüber Europäern. Besser arm, als auf diese Art und Weise zu Geld kommen. Es ist so peinlich und sie ruinieren den Ruf Tunesiens.“ Ich kann dazu nur sagen: Mir sind meine deutschen Landsleute genauso peinlich, die sich auf so etwas einlassen, denn besonders bei uns in Europa besteht die Möglichkeit sich über alles zu informieren. Es muss weder zu gebrochenen Herzen und leeren Portemonnaies alter Damen kommen, noch zu gebrochenen Herzen junger Männer, die aus der Armut heraus ihren Körper oder ihr junges Leben verkaufen. Noch peinlicher sind jedoch die Leute, die bewusst für Sex nach Tunesien fliegen und die Armut dort ausnutzen, um ihre Gelüste zu befriedigen. Für diejenigen, die Letzteres nicht tun und unsicher sind wegen ihrer neuen Eroberung, zu guter Letzt ein Tipp: Bezness – liebe Landsleute, informiert euch!

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3 Gedanken zu “Sextourismus in Tunesien: Wenn ältere Damen Urlaub machen

  1. Es ist weniger die Armut in meinem Land, eher ist es u.a der immer größer werdende Materialismus (ohne Kompromisse) der dazu führt , dass sich immer mehr meiner Landsleute (insbesondere Männer) im wahrsten Sinne prostituieren.

    Die Gründe sind sehr sehr vielseitig und wurden nicht erwähnt….
    Tunesische Gastarbeiter, die jedes Jahr mit GELEASTEN Fahrzeugen sich dort aufhalten und ihre Landsleute NEIDISCH auf Europa machen. Fahrzeuge von 18 jährigen tunesischen Gastarbeitern für die selbst ein Europäer hart schuften müßte.
    Tunesische Gastarbeiter die im Urlaub in Tunesien mit Geld protzen aber in Europa mit ihrer Familie in maximal 1-2 Zimmer Wohnungen leben (siehe z.B. Frankreich).
    Hinzu kommen die schönen und tollen TV Sendungen aus Europa wo die schöne heile Welt in Europa geschauspielert wird (jeder Tunesier hat eine SAT Anlage !).
    Tunesische Eltern, die Ihren Kindern vorleben, das es wichtiger ist einen Partner nur mit Ansehen (Beruf) und Geld zu heiraten ANSTATT ersteinmal auf den Charackter zu schauen und die Partnerschaft davon abhängig zu machen.

    Es gibt viele viele weitere Gründe…..

    Früher schauten noch meine Großeltern auf den Charackter eines Menschen und sein Umfeld.Heute ist nur noch der BERUF und sein AUFENTHALTSORT (möglichst im Ausland) wichtig.
    Es gilt, sich nicht mehr mit dem Zufrieden zu geben was man hat …. Nach dem Motto Alhamdulillah…
    Man möchte noch mehr besitzen als der andere …. Viel mehr…. Unser letzter Diktator und seine raffgierige
    Ehefrau haben es vorgelebt.
    Gesprächsthema Nr. 1 in vielen Cafes ist meistens Geld.

    Tunesien ist KEIN armes Land im Verhältnis zu anderen Afrikanischen Ländern….
    Es herrschen keine Hungersnöte…die meisten haben genügend zu essen und einen Dach über dem Kopf.

    Es ist eher der Niedergang von Menschlichkeit bzw. Charackter, der dazu führt das das Geld leider mehr Wert ist als der Mensch.
    Ein Niedergang der sich nur aufhalten läßt , wenn in der tunesischen Generation ein Umdenken stattfindet…..

    Murad

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    • Sehr geehrter Murad, sicherlich hat jeder seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht – Sie die Ihren und ich die meinen. Eines ist jedoch auch klar, Tunesien zählt nicht zu den reichsten Ländern dieser Welt und ich habe die Armut dort gesehen – fernab von Hotels. Aus Ihrem Kommentar: „Die Gründe sind sehr sehr vielseitig und wurden nicht erwähnt,“ – ich bin schon der Meinung, die für den deutschen Leser wichtigsten Dinge erwähnt zu haben, nämlich auf was sie achten sollten und wie sie sich schützen können. Es gibt sehr viele Informationen im Internet über Besnezz und man muss sich halt informieren. Es ist sehr schade, dass Sie selbst Ihre Landsleute allgemein als so niederträchtig und raffgierig einschätzen, jeder der meinen Artikel lesen wird, kann nun auch Ihren Kommentar lesen und sich selbst ein Urteil bilden, wie z.B. Sie als Tunesier die Sachlage einschätzen. Vielen Dank für Ihren Beitrag.

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      • Hallo Frau Birgit Manzke,

        Ihren Beitrag den ich sehr Interessant fand, wollte ich mit meinen Erfahrungen als tunesischer Landsmann nur ERGÄNZEN.
        Auch wenn es viele Informationen im Internet über Bezness gibt, sind Informationen an vor Ort und Stelle deutlich aufschlußreicher. Darübe wollte ich berichten ! Wie Tunesier denken und leben erfährt man nicht aus dem Internet sondern indem man mit ihnen GELEBT hat.

        Es ist natürlich sehr schade , dass in Tunesien diese EInstellung wie in meinem Kommentar herrscht. Aber es entspricht der Realität.

        Damit Sie mich nicht mißverstehen… ich finde Ihren Artikel sehr gut gemacht und finde es sehr gut , dass Sie sich mit diesem Thema befasst haben.

        .LG
        Murad

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