Das Massaker von Sousse: Deutsche Medienberichterstattung – Kleine aber wichtige Details vergessen?

massaker sousse

Von Birgit Manzke

Wer saß nicht geschockt am Freitag vor dem Fernseher und musste verstörende Bilder aus dem tunesischen Badeort Sousse wahrnehmen? Jeder der bereits in Tunesien Urlaub gemacht hat wird sich durch den Kopf gehen lassen :“Es hätte auch mich treffen können.“ Bilder des Grauens auf jedem erdenklichen Fernsehkanal und auch die Zeitungen überschlugen sich, an diesem schwarzen Freitag – im heiligen Monat Ramadan. Sofort Reporter vor Ort und ebenfalls sofort die für Tunesien erschütternde Nachricht, dass hunderte Touristen das Land fluchtartig verlassen – ein herber Schlag, für die noch junge Demokratie. „Wenn jemand einen unschuldigen Menschen tötet, so ist es, als habe er die gesamte Menschheit getötet“ (Sure 5, Vers 32) – heißt es im Koran! Ein Satz der zudenken gibt, in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um einen religiös geführten Anschlag handelte, indem gezielt westliche Touristen abgeschlachtet wurden. Das britische Nachrichtenportal „Independent“ machte sich scheinbar mehr Mühe bei seinen Recherchen – um die Geschehnisse am 26. Juni 2015 – und berichtete, trotz aller Tragik die die Welt in Trauer versetzt, auch über das kleine Fünkchen Hoffnung und Menschlichkeit am Tag des Grauens. Ein britischer Überlebender war besorgt über die generelle Berichterstattung der Medien, er twitterte unter Fotos des Senders Sky-News (Der Schütze Seifeddine Rezgui lief am Strand mit einer Kalaschnikow in der Hand): Kommentar eines Mannes: „ Ich zählte neun Männer, stehend oder gehend hinter ihm, warum haben sie ihn nicht angegriffen?“ Antwort eines überlebenden Urlaubers: „ Diejenigen im Hintergrund, bildeten einen menschlichen Schutzschild, um ein anderes Hotel zu schützen, sie achteten auf nichts anderes und haben somit zahlreiche Menschenleben gerettet.“ Originaltext: Those in the background formed a human shield to protect another hotel they are not watching they saved many lives. pic.twitter.com/kQm8GuBZOe
— John Yeoman (@johnyeo68) June 28, 2015
Auf dem Flughafen in Manchester angekommen, gab es einen regen Austausch zwischen den überlebenden Urlaubern. Wo war die Presse??? Ach ja, vermutlich war sie da, aber…..
John Yeoman und seine Frau erholten sich in einem Nachbarresort in Sousse, als das Gemetzel begann twitterte er: “Ein Hotel-Koch kam auf uns zugelaufen, um uns zu sagen, dass wir um unser Leben rennen sollen.” Yeoman sagte weiterhin, dass er sehen konnte, das die Leute – die einen menschlichen Schutzschild bildeten, Mitarbeiter vom Hotel waren. Ein anderer Urlauber – der sich zur Tatzeit am Strand aufhielt – äußerte, dass die Hotelmitarbeiter dem Schützen zuriefen: “ Du musst erst an uns vorbeikommen und wir sind Muslime. Um an uns vorbeizukommen musst du uns töten.” Herr Yeoman lobte nachhaltig die extreme Tapferkeit des Personals: „Es gibt uns ein wenig mehr Vertrauen in die Menschheit und widerlegt jedes Vorurteil, dass die Muslime alle gewalttätige Extremisten wären. Es gibt keine Worte, um auszudrücken, wie dankbar wir den Angestellten sind.“ Auch ein weiterer Brite äußerte sich bei Sky-News, Ian Symes, schrieb an Herrn Yeoman: „Ich bin bei dir (Bestätigung). War am Strand bei Palm Marina. Während wir liefen, um uns zu verstecken, ist das Hotelpersonal hinausgerannt um uns zu helfen – sehr mutig.“

Foto: Bechir Ayeb

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